Anwälte bilden immer weniger Fachangestellte aus

Die Ausbildungbereitsbereitschaft der Anwälte nimmt ab; nur noch 52 % der Kanzleien gaben im Rahmen der Studie des Soldan Instituts für Anwaltmanagement an, Fachangestellte auszubilden. Nur auf jeden 20. Rechtsanwalt kommt ein neu abgeschlossener Ausbildungvertrag.

 

 

 

 

 

 

Die Ausbildungsquote liegt in Einzelkanzleien bei 38 %; in Sozietäten zwischen 71 % und 80 %. Sozietäten, die überwiegend gewerbliche Mandanten betreuen, bilden deutlich seltener aus als Kanzleien, die eher eine Privatkundschaft haben. 

 

Für den Ausbildungsrückgang gibt es laut Bericht des Soldan Instituts unterschiedliche Erklärungsansätze:

 

  • Kanzleien, die nicht ausbilden, gaben als häufigsten Grund an, dass ihrer Meinung nach der Nutzen einer Ausbildung in keinem Verhältnis stehe zu den hierdurch entstehenden Kosten und dem Aufwand für die Kanzlei .   
  • Ebenfalls - wenn auch deutlich weniger oft - wurde angegeben, dass Kanzleien ihren Bedarf auch durch ungelerntes Personal abdecken könnten. Außerdem habe man Probleme, quaifizierte Bewerber zu finden, und beklage die mangelnde Ausbildungsreife der Schulabgänger.
  • Aber auch die Rahmenbedingungen des Anwaltsberufes sind zu berücksichtigen: Da die Zahl der zugelassenen Anwälte kontinuierlich zunimmt, steigt auch der Konkurrenzdruck auf dem Arbeitsmarkt. Die Folge ist, dass viele Anwälte zu niedrigeren Einstiegsgehältern tätig sind, sich kein qualifiziertes Kanzleipersonal leisten können und Aufgaben der Fachangestellten selbst übernehmen.
  • Anwaltskanzleien haben möglicherweise einen geringeren Bedarf an Kanzleipersonal. Zu nennen ist hier vor allem die technische Entwicklung, z. B. die Möglichkeiten der elektronischen Aktenverwaltung, die Nutzung von Computerprogrammen im Mahn- und Gebührenwesen etc. Diese Entwicklung hat auch dazu geführt, dass sich Anwälte nun verstärkt auf Personal stützen können, das über keine fachspezifische Ausbildung verfügt.
  • Vielleicht haben Anwaltskanzleien aber auch Probleme, überhaupt interessierte Schulabgänger zu finden. In den vergangenen Jahren sind zahlreiche neue Ausbildungsberufe entstanden, möglicherweise zulasten der "traditionellen" Ausbildungsberufe.

 

Laut Soldan Institut ist die Ausbildungsbereitschaft bei Notaren und  Patentanwälten jedoch nicht annähernd so stark zurückgegangen wie bei den Rechtsanwälten.  

 

Den Original-Beitrag - erschienen im AnwBl 3/10 - können Sie auf der Seite des Deutschen Anwaltvereins aufrufen.


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